Ein anthropologischer Fernsehmythos - Sizilien in Bozen (Eine Ausstellung)

Biancavilla

Die Jahre 1991 bis 1994 bildeten eine Zäsur in der Geschichte Siziliens, die unsere Wahrnehmung der Insel bis heute bestimmt. Noch bis zum 5. November ist im ar/ge Kunst Galerie Museum Bozen eine Ausstellung zu sehen, die untersucht, wie Fernsehreportagen, die in der damaligen Zeit entstanden, diese Wahrnehmung geprägt haben. Alessandro Gagliardo hat die Ereignisse jener Epoche anhand der gesammelten Materialien der lokalen Reportagen dokumentiert und einer interessierten Öffentlichkeit verfügbar gemacht. Sein Projekt ist eine komplexe, in einzelne Kapitel unterteilte Erzählung der vergangenen Ereignisse, die bei der alltäglichen Mikrogeschichte der Provinz Catania und ihrer Dörfer beginnt.

In der Mitografia, 2011, sind über 120 000 Einzelbilder von Stimmungen und Physiognomien von Menschenmassen zu sehen, die Gagliardi aus der verlangsamten Abfolge von Fernsehdokumenten gewinnt. Diese wurden im Laufe der öffentlichen Protestkundgebungen in der Region Catania in den frühen Neunzigerjahren gefilmt. Ebenso verfährt er in Dei poteri e delle povertà (Von den Mächten und der Armut 2011). Die Installation besteht aus hunderten von einzelnen, auf Papier entwickelten Standbildern, die aus demselben Material von S-VHS-Kassetten eines lokalen Fernsehsenders in Catania stammen. Die in den beiden visuellen Objekten verwendeten Darstellungsmodi werden in der Filosofia della miseria (Philosophie des Elends) noch einmal in besonderer Weise wirksam: Es handelt sich hier um ein Video, das Archivbilder von einem kleinen Dorffriedhof in der Provinz Catania zeigt. Der Anonymität der Massen wird hier die Flüchtigkeit des Lebens beigestellt, von der unsere Geschichte(n) allenthalben geprägt sind. 

Weitere Informationen unter: http://www.argekunst.it/de/exhibitions/current

Foto: Callicari Flickr Creative Commons

 

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